Es war eigentlich ein ganz normaler Einkauf an einem normalen Tag. Neben ein bisschen Obst und Gemüse, Aufschnitt und Getränken wanderte noch der Saint Albray in den Einkaufskorb und danach gen Kühlschrank und wartete auf den Feierabend, um entnommen zu werden für zu Hause. Schon bei der Entnahme war der strenge Geruch von dem Käse bemerkbar – aber noch vertretbar, während sich in der U-Bahn nicht nur der Eindruck, sondern auch der Geruch verstärkte. Das hatte zur Folge, dass ich endlich mal ein bisschen mehr Platz um mich herum hatte!

Aber in der Wohnung hörte der Spaß dann doch auf. Da ich nicht zu einhundert Prozent sicher war, ob es der Käse ist, musste ich einen Tag später den ganzen Kühlschrank ausräumen – mein Verdacht war ja, dass sich da Mettwurst oder ein anderer Aufschnitt als nicht mehr haltbar erwies und darum abstank. Auch eine nähere Untersuchung des Obstes ergab keine neuen Erkenntnisse und erst durch Ausschluss-Verfahren kam raus, dass der Käse Saint Albray schuldig im Sinne der Anklage war. Das Urteil: Verbannung aus dem Kühlschrank, externe Lagerung mit einer Kunststoffhaube drüber.

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Geplant war auch, den Käse einfach durch Essen zu entsorgen. Aber der Käse wehrte sich mit noch stärkerem Geruch und hat mittlerweile die Macht in der Wohnung übernommen. Nach Öffnen der Balkontür ließ das Vogelgezwitscher auch etwas nach und mein Balkonnachbar entschloss sich, diesen herrlichen Spätsommertag in der Wohnung zu verbringen. Flugzeuge fliegen seitdem auch weniger…. Alles in allem muss man sagen – der Käse hat gewonnen, wir haben uns noch einmal zusammengesetzt mit dem Ergebnis: Der Käse isst mich nicht und ich esse ihn nicht, wir gehen nun doch getrennte Wege und beide Seiten bedauern das. Der Saint Albray hätte gerne noch länger bei mir verbracht, denn die nächtlichen Gespräche dank meiner Schlaflosigkeit waren sehr interessant und lehrreich. Aber irgendwann ist auch mal Schluss, vielleicht findet sich ja ein neues Frauchen oder Herrchen mit etwas Zeit – denn ab und zu muss der Käse auch mal raus und er braucht seinen Freiraum. 

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