Sa. Jul 20th, 2019

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Was sich durch demografischen Wandel ändern muss: ÖPNV

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Wir alle müssen mit den gegebenen Umständen leben und das geht auch im demographischen Wandel für die Wege, die man zurücklegen muss. Damit sind in erster Linie die Strecken gemeint, um von der Wohnung zum Arzt, zum Einkauf, zu Bekannten oder auch in einen anderen Ort fahren muss und kein Auto zur Verfügung hat. Was sich perspektivisch in Bezug auf Ärzte oder Einkäufe tun wird, darauf wird in anderen Artikeln dieser Serie noch spezifisch eingegangen. Hier geht es um notwendige Verbesserungen bei Bus und Bahn.

Da auch die Unternehmen für öffentlichen Nahverkehr oft wenig bis gar kein Geld haben und dies auch nicht in Zukunft durch feste Bezahlschranken verändern möchten, wird man sich Gedanken machen müssen über die zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten der Transportmittel und Bahnhöfe bzw. Haltestellen. Dennoch sei einmal angemerkt, dass auch schon zum jetzigen Zeitpunkt 2015 die Unternehmen eine gewisse abgegebene Kontrolle wieder zurück gewinnen könnten durch Vermeidung von Schwarzfahrten und damit einhergehend entsprechend mehr Personal in den Verkehrswegen. Da dies aber zur Erhöhung des Gewinns nicht geplant ist und man alles etwas zurückfährt, wird man sich trotzdem Gedanken über den öffentlichen Personennahverkehr machen müssen.

Die heute 50-jährigen sind in 20 Jahren 70 und die heute 65-jährigen sind dann 85 und wollen weiter den Status von heute aufrechterhalten bzw. sogar noch verbessern. Das bedeutet für die Unternehmen, dass ein größeres Augenmerk auf die bessere Nutzung von Sitzplätzen gelegt wird. Bei den Bussen wird wohl die Anzahl der Doppeldecker weiter zurückgehen, obwohl oben die volle Sitzplatzkapazität ausgenutzt werden kann – aber durch die steilen Treppen werden zunehmend Menschen Probleme haben, hinauf zu kommen oder es schlicht nicht tun. Auf der anderen Seite wird der Platz unten immer enger durch Kinderwagen, Rollertoren oder Rollstühle. Denn alle diese Menschen sind auf den ÖPNV angewiesen und in größerem Maße davon betroffen als Menschen, die auch andere Alternativen nutzen können.

Also wird man nicht umhin kommen, hier die ersten Verbesserungen in den Bussen anzustreben in Bezug auf den Platz durch Schlenkerbusse oder andere noch zu findende Lösungen. Mir fällt nur jetzt schon auf, ohne dass ich mich anstrengen muss, dass der Platz aktuell immer weniger wird und es zunehmend Schwierigkeiten bereiten wird, bei noch mehr älter gewordenen Menschen den Anforderungen gerecht zu werden. Mit einem zusätzlichen Mitarbeiter im Bus würde man jedoch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, weil diese als erste Aufgabe die Fahrscheine kontrollieren könnte und in zweiter Linie beim ein und aussteigen in den hinteren Türen behilflich sein könnte. Denn Rollstühle benötigen die Unterstützung des Fahrers, der mit einem Hebel die Klappe zum hinaufrollen öffnen muss.

Gleichzeitig würde man mit dem zusätzlichen Mitarbeiter die Lücke schließen, die durch hinten ein gestiegener oder potentielle problematische Fahrgäste geöffnet wurde. Finanziert könnte dieser “Copilot” durch die Mehreinnahmen, die durch bessere Kontrollen und mehr Vertrauen mit mehr Fahrgästen entstehen. Denn auch die U-Bahn könnte ähnlich personell aufgebessert werden und die Mitarbeiter wären Unterstützung und Sicherheit gleichzeitig. Durch eine einigermaßen flächendeckend gewährleistete Grundsicherheit kommen automatisch wieder mehr ältere Fahrgäste, die sich bisher nicht mehr sicher fühlten. Diese haben auch die Bereitschaft, bei mehr Sicherheit auch mehr zu bezahlen und bei der Bahn könnte ein spezielles Abteil zum Beispiel das erhöhte Sicherheitsgefühl befriedigen. Ähnliche Strukturen wären auch im Regionalbetrieb möglich, dass ein ansprechbarer Mitarbeiter mit im Abteil sitzt und nicht alle Fahrgäste äußeren Einflüssen ausgesetzt sind.

In Bezug auf die Forderung, bei Discountern oder generell größeren Ladenketten Toiletten als Pflicht einzuführen, würden sich als Alternative sämtliche Bahnhöfe für U-Bahn und S-Bahn anbieten. Jedenfalls sind diese in Berlin nahezu flächendeckend zu finden und bilden somit eine Möglichkeit, diesen Service über ein externes Unternehmen abzuwickeln und den Fahrgästen anzubieten. Zusätzlich müssten durch den demographischen Wandel auch sämtliche Bahnhöfe mit Rolltreppen oder Fahrstühlen ausgestattet sein, was dann automatisch auch den Menschen mit Kinderwagen zugute kommt.

Eigentlich sind alle Verbesserungen, die man für ältere Menschen einführt, mittel- und langfristig auch für jüngere Leute gut geeignet und bilden eine gute Grundlage für eine vernünftige Infrastruktur in kleineren und aber natürlich auch größeren Städten. Das gilt auch für einen kürzeren Intervall bei den Bussen, hier wird es künftig höhere Anforderungen geben vonseiten der Fahrgäste, um nicht zu lange an einer Haltestelle stehen zu müssen oder die Haltestellen sollten besser für die Generation 70+ ausgestattet werden das betrifft vor allem die Beleuchtung und die Anzahl der Sitzplätze.

Auch bei den Fernbussen, die für mittlere Strecken gerne genutzt werden, könnte sich einiges ändern. Nicht nur die Anzahl der Toiletten, die von derzeit einer auf zwei nebeneinander im hinteren Bereich aufgestockt werden könnte, sollte erhöht werden – auch der Zugang über einen kleinen Lift für die Rollis ist schon seit einigen Jahren für einen Reisebus möglich. Vielleicht ist es auch gar keine so abwegige Überlegung, nicht immer nur automatisch bei einem Reisebus von ca. 40 Gästen auszugehen, sondern eventuell schraubt man das auf Kosten für mehr Beinfreiheit runter auf 30 Fahrgäste? Das jedenfalls ist immer ein Manko, dass die Fahrgäste Richtung Bahn treibt und wo Busanbieter wieder Kunden zurückgewinnen könnten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle hier oben im Artikel genannten Verbesserungen relativ schnell und einfach durch bestimmte Maßnahmen einzuleiten sind und vor allem durch mehr Personal vor Ort in den Bussen und den Bahnen sowie den entsprechenden Bahnhöfen. Wenn sich nicht nur die tatsächliche Sicherheit, sondern auch das Sicherheitsgefühl positiv verändert, dann hat das auch Auswirkungen auf die Anzahl der Fahrgäste und dadurch natürlich auch auf die Einnahmen, die man für weitere Dinge nutzen kann. Den derzeitigen Status, also volle Busse mit schlichten Zugängen und der Gefahr, bei zwei Kinderwagen mehr mit dem Rollstuhl in den Bus zu kommen, sind in jedem Falle mehr zeitgemäß und schreien nach Veränderung. Also müssen sich die Betreiber von ÖPNV auch auf den demographischen Wandel einstellen und sich Gedanken machen über die Auswirkungen, wenn ihre Fahrgäste weiter mobil bleiben trotz höheren Alters. Die Rentner von übermorgen hören nicht auf, von A nach B zu reisen oder den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Welch Potenzial auch durch Einnahmen bei Waggons mit Sicherheitspersonal möglich wären, müsste einfach nur durchgerechnet werden. Man muss es nur tun und an diese Klientel denken.

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