LateNightBerlin mit Klaas auf Pro7 – natürlich noch ausbaufähig

Etwas mehr Revolution hätte man sich dann vielleicht doch gewünscht bei Prosieben, wenn Klaas Heufer-Umlauf mit seiner ersten Late Night Show an den Start geht. So aber bleibt bei seinem Debüt noch einiges zu tun, um sich zu steigern und vielleicht irgendwann mal in die Fußstapfen von Harald Schmidt oder Stefan Raab zu treten. Aber eigentlich sollte dies gar nicht das Ziel sein, denn die zweite Hälfte von HalliGalli hat eigentlich das Zeug dazu, sein eigenes Profil zu schärfen und alleine so eine Show zu rocken.

Doch gleich in der ersten Sendung wird wie in einem Beamten-Modus der immergleiche Aufbau solch einer Show am späten Abend präsentiert mit einem Sidekick, der Band und einem Gast im zweiten Teil – nur das so begeistert klatschende und jubelnde Publikum war seltsamerweise während der ganzen Show von LateNightBerlin aus Potsdam überhaupt nicht zu sehen. Erst beim Auftritt von Casper wurden die Menschen, die in Potsdam zu Gast waren, auch mal visuell eingeblendet. Ansonsten gehört nach meiner Empfindung das Publikum auch mal ab und zu eingeblendet, wie es lacht oder auf entsprechende Gags reagiert.

Die Gags waren allerdings auch nicht wie am Fließband und permanent, sondern nur ab und zu gab es witzige Momente. Wie zum Beispiel bei der Einspielung, wie es wohl tatsächlich bei den Verhandlungen zur großen Koalition zugegangen sein soll und hier Kevin Kühnert in einer Nebenrolle zu sehen ist. Das Privileg des ersten Gastes hatte Talkmasterin Anne Will und auch hier wäre es wieder für Klaas Heufer-Umlauf ein leichtes gewesen, mit starken Fragen zu punkten. Doch leider war mein auch hier schon in der üblichen Maschinerie gefangen, dem Gast nur die üblichen Fragen ohne größere Relevanz zu stellen und so weiß man wenigstens, dass Anne Will früher mal Schreinerin werden wollte. Und das Thema Bergdoktor wirkte nach dem Tod von Siegfried Rauch so komisch dann auch wieder nicht, aber dabei musste die sonst so toughe Anne Will laut eigener Aussage wohl immer weinen. Ich glaube ja, die meisten in der TV-Branche Beschäftigten schauen selbst nur extrem wenig fern und verbringten ihre Zeit mehr mit sinnvolleren Dingen. Das nur am Rande.

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Insgesamt also kein wirkliches Feuerwerk an neuen Ideen oder Inspirationen – wach gehalten hat auf jeden Fall das Studio-Design, welches mit grellen Farben und zackigen Formen überraschte und auch manchmal etwas ablenkte. So gesehen steht das Muster für die nächsten Folgen auch schon fest, man geht mit ein paar Witzchen -vornehmlich gegen AfD/CSU- nach der ersten Viertelstunde in die Werbepause und kommt dann wieder mit einem Gast. Diesen begrüßt man auch nicht wirklich überraschend an einem Schreibtisch sitzend und wenigstens durfte sich Anne Will in einem gemütlichen Sessel bequem machen. Alles in allem waren wohl die Erwartungen mal wieder etwas zu hoch angesetzt, weil Klaas Heufer-Umlauf schon in anderen Sendungen bewiesen hat, was er drauf hat und wie er entertainen kann. Gut möglich also, dass man in den nächsten Wochen auch noch einmal irgendwann am Montag auf der Fernbedienung Prosieben auswählt, aber wirklich so richtig etwas verpassten wird man wohl auch nicht, wenn man es vergisst. Außer, dass eben nicht der übliche Serienmüll dort läuft. Das ist ja immerhin auch schon als Erfolg zu werten.

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