Mo. Dez 9th, 2019

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Katerstimmung nach G20-Gipfel in Hamburg

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Das war schon eine seltsame Stimmung in der Hansestadt am Sonntag, als man die vielen Menschen ihr Hamburg wieder aufrĂ€umten nach den schweren Krawallen rund um den G 20-Gipfel von Donnerstag bis Samstag. Es war ein bisschen so, als hĂ€tte man ein paar Tage lang eine völlig aus den Fugen geratene Party veranstaltet und am Tag danach kommen die Eltern völlig geschockt nach Hause und reißen als erstes die Fenster auf, um viel frische Luft in die Stube und die Köpfe zu bringen.

Viele Hamburger haben Flagge gezeigt

Und tatsĂ€chlich haben die mehrere tausend Hamburger Flagge gezeigt gegen das Rowdytum und sich in mehreren Interviews auch klar positioniert. So gesehen dĂŒrften die allergröbsten Ă€ußerlich sichtbaren SchĂ€den schon wenige Tage nach dem G 20-Gipfel nicht mehr wahrnehmbar sein. Aber natĂŒrlich darf man nicht vergessen, dass zahlreiche GeschĂ€fte von den PlĂŒnderungen und Gewaltseskalationen immer noch betroffen sind, diverse Autos sind in Flammen aufgegangen und nun kann man nur hoffen, dass die Versicherungen oder die Regierung (Hamburg und der Bund) schnell und relativ unbĂŒrokratisch Hilfe gewĂ€hren, so wie es auch von Kanzlerin Angela Merkel versprochen wurde.

Der Wahlkampf beginnt mit der Nachbereitung

Es steht ĂŒbrigens außer Frage, dass man solche Einladungen auch weiter in grĂ¶ĂŸere StĂ€dte aussprechen kann, hier steht Aussage gegen Aussage beim Justizminister Heiko Maas und auf der anderen Seite von Innenminister Thomas de MaiziĂšre. WĂ€hrend also die CDU durchaus der Meinung ist, solche Gipfel und andere vielleicht auch kontroverse Treffen könne man weiter in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten mit all seinen Risiken durchfĂŒhren, sieht die SPD scheinbar ein Umdenken fĂŒr erforderlich. Doch in dieser Form wird sich so etwas wohl kaum wiederholen, weil die Fehler sicherlich analysiert werden und man in der Zukunft eventuell doch anders auftreten wird.

Hier ging es fĂŒr die G20-Teilnehmer am Freitagabend hin: Elbphilharmonie am Hafen und der Speicherstadt

Trotzdem soll auch nicht vergessen werden, dass es am Samstag zum Beispiel Hunderttausende waren, die gegen die G 20 friedlich protestiert haben und auch schon die Tage davor war nicht alles schwarz und dĂŒster, sondern viele VerbĂ€nde haben klar Stellung bezogen und sich wirkliche MĂŒhe gegeben, ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Dies geschah auch schon in zahlreichen Veranstaltungen im Vorfeld und auch die ganze Bewegung im Rahmen der Vorbereitung hat schon viele Menschen verbunden.

In der Elbphi Beethovens “Ode an die Freude” – draußen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei

Doch man muss auch mal ganz klar feststellen, dass Reden immer mehr bringt als sich in seiner Meinung abzuschotten und so gab es viele bilaterale GesprĂ€che, die so in dieser Form unter UmstĂ€nden gar nicht stattgefunden hĂ€tten. NatĂŒrlich gehört auch etwas Show dazu und einiges, was beschlossen wurde, ist von langer Hand geplant gewesen und wartete nur auf den richtigen Zeitpunkt bzw. wurde nur durch die StaatsoberhĂ€upter an diesem Wochenende als Gemeinsamkeit prĂ€sentiert. Jeder Dialog, jedes Wort und jede VerstĂ€ndigung miteinander ist immer besser, als sich in seinen Positionen unversöhnlich gegenĂŒber zu stehen. So wĂ€chst das Misstrauen und dies baut sich nach und nach weiter auf – und das kann nun wirklich auch niemand wollen, oder?

Die Ergebnisse des G20-Gipfels sind ausbaufÀhig

Der Verantwortung sind sie wahrscheinlich trotzdem nicht gerecht geworden, wenn man einmal bedenkt, dass hier diese vertretenen LĂ€nder 70 % reprĂ€sentieren – hier ist in vielen Punkten auf alle FĂ€lle mehr möglich gewesen und so gesehen kann man auch die Kritiker verstehen, die mit ihren Hinweisen auf die spĂ€rlichen Lösungen und sehr schwammigen Formulierungen ebenfalls im Recht sind. Dadurch dass man aber nicht weiß, was ohne den G 20-Gipfel herausgekommen wĂ€re oder ob ĂŒberhaupt etwas Ă€hnliches stattgefunden hĂ€tte, muss man auch schon mit kleinen Dingen zufrieden sein und daher wird es auch 2018 in Argentinien wieder eine G 20 geben, vermutlich aber mit weniger Protest aus aller Herren LĂ€nder.

Baut Saudi Arabien eine eigene G20-Stadt?

Wenn 2020 Saudi Arabien erst mal den G 20-Gipfel veranstaltet, werden dort gewiss umfangreiche RĂ€umlichkeiten zur VerfĂŒgung gestellt werden oder die werden ab nĂ€chstem Jahr einfach mal gebaut. Derartige Probleme wie Deutschland mit dem Platzmangel außerhalb der GroßstĂ€dte Berlin, Hamburg oder MĂŒnchen gibt es in diesen LĂ€ndern nicht und wir wollen mal sehen, wie bis dahin der Globus aussieht und ob dann nicht doch die eine oder andere Nation hinzukommt. Schließlich gibt es viele Dinge, die man gemeinsam besprechen könnte und hier sollten möglichst viele Kandidaten aus allen betroffenen Kontinenten vor Ort sein. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass solche Treffen auch fĂŒr die Aufmerksamkeit wichtig sind, auch wenn am Ende nicht viel bei herauskommt – die Symbolik ist nicht zu unterschĂ€tzen und wer weiß, was alles auf den Fluren und zwischen den Zeilen so besprochen worden ist.

Das Gras muss wachsen und Wunden mĂŒssen heilen

Jetzt kann man also nur hoffen, dass alle Verletzten wieder schnell genesen und buchstĂ€blich einiges an Gras ĂŒber die Sache wĂ€chst. Was aber nicht heißt, dass man die Geschehnisse nicht abarbeitet und daraus lernt. Vor allem die friedlichen Proteste hĂ€tten etwas mehr in den Fokus gerĂŒckt werden sollen und die Stimmen hĂ€tten ein lauteres Vernehmen verdient gehabt. So bleibt ein etwas fader Beigeschmack, etwa so wie nach einer durchzechten Nacht – da muss dann erst mal alles raus, der Magen muss sich erst fĂŒllen mit gesunden Dingen und die Sinne mĂŒssen sich neu sortieren. Nach diesem reinigenden Gewitter kann also eigentlich vieles nur besser werden, egal ob global auf der Welt oder lokal in der jetzt wieder schönen Hansestadt Hamburg.

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