So. Jan 19th, 2020

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Magazin aus Berlin @ Musik, Medien & Sport

Ich, Propagandist

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Noch einmal ein paar Worte über meine Tätigkeit in der Propaganda. Bei meinen Aufträgen kommt man ganz schön rum. In den letzten Jahren war ich daher im gesamten Bundesgebiet tätig. Mein erster Auswärtsauftrag war in einem Center zwischen Halle und Leipzig. Das ging dann von Mitte November bis Weihnachten wo ich zusammen mit meinem Team-Partner sechs Tage in der Woche Uhren verkauft habe. Ich gab oben auf einer Treppe des Kaufhauses, die zum schon geschlossenen 1. Obergeschoss führte, den Stufen-Adler und heizte den Leuten ordentlich ein mit dem Mikrofon. Immerhin galt es, an die fünf Tische im Blick zu behalten und dazu auch die Hände der Kunden und wie sie sich bewegen. Eine individuelle Beratung musste hier natürlich zurückstehen, ist aber bei dieser Art des Angebots durchaus üblich und die Moderation verändert sich, wenn es voll ist weg von der Ware – hin zur reinen Beschreibung, z.B. wie und wo die Kunden sich am besten anstellen sollten. Rückblickend war das eine gelungene Veranstaltung, die in der Folge zu permanenten Einsätzen in der Branche führte.

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Ganz so anonym und distanziert geht das natĂĽrlich nicht immer, so z.B. auf dem Foto oben aus Goslar, wo ich in einem Woolworth im Eingangsbereich vertreten war. Hier war der Kontakt zum Kunden viel intensiver, persönlicher. Da ich durch meinen beruflichen Werdegang, der ja im normalen Einzelhandel begann, keine Schwierigkeiten habe im Dialog mit den Kunden, bekam ich schnell Zugang und gewann Vertrauen. In kleineren Städten hat es ja viele Stammkunden, die man auch gerne wiedersehen möchte. AuĂźerdem bin ich immer angemessen gekleidet, was auch fĂĽr die Unternehmen, in denen man steht, wichtig ist, weil man ja im Grunde fĂĽr diese Zeit das Aushängeschild der Firma darstellt. Dass man sich auf diverse Gegebenheiten schnell und flexibel einstellen muss, zeigt das Bild unten aus FĂĽrth. Nachdem ich Anfang 2005 mehrere Wochen im Franken-Center in NĂĽrnberg verbrachte und darauffolgend das FrĂĽhlingserwachen in Ingolstadt bestaunen durfte, verschlug es mich irgendwann nach FĂĽrth. Immerhin in diesem Falle ĂĽberdacht, merkte ich recht schnell, was fĂĽr ein Unterschied es ist zwischen AuĂźen- und Innen-Verkauf. Hier musste alles etwas schneller, zackiger gehen, man hatte mehr Laufkundschaft, die die Ware einfach nur begutachten will. Trotzdem konnte man auch an einem Standort wie oben beträchtliche Ergebnisse erzielen damals. Die Gastronomie im direkten Anschluss sorgte neben den bekannten GerĂĽchen auch fĂĽr immer bekannter werdende Gäste. Im Regen herrscht natĂĽrlich wenig Lauf und daraus resultiert auch weniger Umsatz. Das ist einer von einigen Nachteilen drauĂźen. Wenn der Himmel grau ist und Menschen missmutig ihren a) Rollator vor oder b) den Einkaufswagen hinter sich  her bewegen, dann merkt man auch, dass man nicht zaubern kann.

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Schauen Sie sich bitte zuerst das Bild unten an. Hier sieht man einfach und ganz deutlich, was ich im letzten Absatz meinte: Es ist der gleiche Stand in Fürth und wirkt doch gleich viel, viel einladender wenn a) schon Menschen dort stehen und b) das Wetter so ist, dass man einfach Lust bekommt, etwas an frischer Luft zu stöbern. Wenn ich dann das noch unterstützend moderiere, dann geht das manchmal bam-bam-bam. Also ist es wichtig, Plätze zu haben, wo generell schon ein guter Kundenlauf vorhanden ist und man diesen gezielt an den Stand lenkt und das Geld dann nur noch einzusammeln braucht. Interessant auch, wie wenig Fragen gestellt werden, wenn die Leute unter Druck stehen (sei es zeitlich oder weil sie nicht überall gleich herankommen). Oft bräuchte man nur wenige Minuten warten und alles ist leer, aber das weiß ja der Mensch nicht, der JETZT und HIER sofort etwas kaufen will/muss. Krasses Gegenbeispiel oben in München-Schwabing: Es ist nur eine Seite verfügbar, ich konnte weder Distanz noch Nähe beeinflussen und wenn ich großes Pech hatte, musste ich die Kunden kurz wegschicken, weil der LKW durch die Einfahrt wollte (passte genau auf Kante des Tisches durch, hehe).

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Irgendwann muss man auch mal seinen Horizont erweitern bzw. einfach mal wechseln und sei es nur, um mal andere Texte und Wörter täglich zu verwenden. Denn ich arbeitete immer noch in einer 6-Tage-Woche und frei ist nur, wenn kein Auftrag vorliegt. Ich wechselte um auf Handtaschen, Geldbörsen und Hausmoderation, also wechselnde Aufträge, auch wieder bundesweit. 2007 hatte ich zu Anfang noch eine Filialschließung in Halle/Saale und bis Ende Juni war ich noch für mehrere Wochen in Bremerhaven – danach aber war wirklich Schluss mit Uhrenverkauf, erst mal. Im Juli war ich in Göttingen, habe im Erdgeschoss Waren unterschiedlicher Art feilgeboten. Danach war ich oft in Frankfurt/Oder und in Ludwigshaven, dort hatte ich ein Apartment mit Balkon und direktem Blick nicht nur über den Rhein nach Mannheim, sondern auch auf das durch die runde Form gut erkennbare Schnäppchen-Center. Eines Morgens bekam ich einen Anruf, der mich aufweckte. Mein Auftraggeber bat mich, nach Mainz zu fahren. Ich ging von nächster Woche aus und entgegnete “Okay” aber bevor ich das Gespräch beenden konnte, bedeutete er mir, dass es dringend sei. Heute. Jetzt. Der morgendliche Ablauf wurde jäh unterbrochen, blitzschnell alles einpacken, die Filialleitung konnte ich per Handy erreichen, musste ich doch noch meine Lautsprecher-Box aus der Filiale holen. Dann mit Sack und Pack zum Bahnhof, es regnete. Auf dem Wege fix überlegen, wie ich am schnellsten zum Bahnhof (Mannheim) komme und dann von dort mit der Bahn. Diese sollte aber erst gegen 11 Uhr fahren, was nun tun. Ein Anruf nochmal, dass ich jetzt startbereit sei und wie dringend es wohl sei, um mir nochmal die Bestätigung zu holen: SEHR dringend. Die Taxikosten legte ich nur aus, bekam es später vom Auftraggeber wieder. Circa 100 Euro sind es – für den Fall, dass jemand mal mit dem Taxi von Ludwigshaven nach Mainz fahren will. Foto rechts zeigt dann auch die Außenfläche, die ich z.B. den gesamten Sommer 2009 alleine betreute, ich winke da hinten, neben der Säule links. Zum alljährlich stattfindenden Mainzer Johannisfest wurde die Fläche immer von diversen Veranstaltern genutzt und für ein paar Tage stehe mal nicht ich im Vordergrund.

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Ein weiterer Schritt im Rahmen meiner Selbständigkeit war es, mich etwas loszulösen von einem oder zwei Auftraggebern und mich etwas zurückzunehmen, Pausen nehmen, wenn ich welche benötige. Aufträge, die sich für mich schlicht nicht rechnen wegen unter anderem zu hohen Reise- und Übernachtungskosten mussten teilweise auch abgelehnt werden, weil ich ganz einfach nicht in der Lage bin, alles vorher auszulegen. Die Möglichkeit, auf Reisen zu gehen und auch der Wille dazu, ist absolut vorhanden – aber es darf natürlich nicht zu meiner persönlichen Last gehen, wenn ich für andere Unternehmen bereit bin, meinen Wohnort für mehrere Wochen zu verlassen. In der Regel gibt es aber immer Möglichkeiten, sich dahingehend zu einigen, denn es geht ja schließlich nur um Geld (die Firmen sollen auch bezahlen können wann sie wollen und keinerlei Druck von meiner Seite verspüren, dass ich Geld brauche wegen aktueller Rechnungen o.ä.).

Jetzt konnte ich auch mal Aufträge annehmen wie zuletzt, wo ich bei real Falkensee gearbeitet habe und das Verkaufspersonal im Technik-Bereich unterstĂĽtzt habe. Vorher gab es eine Schulung zur WM-Aktion 2010 mit LCD-TV´s, SAT-SchĂĽsseln und Receivern. So könnte ich jetzt auch neben dem Schmuckverkauf auch bei der IFA arbeiten, wenn ich Lust habe – und Zeit. Denn die nächsten Arbeiten warten schon,  unter anderem im September Bratpfannen und im Oktober Haushaltswaren. Derzeit schone ich mal etwas die Stimme, mache den Haushalt und die Buchhaltung, denn fĂĽr so etwas muss man sich auch immer etwas Zeit nehmen. SchlieĂźlich weiĂź man nie, was kommt – wie damals, als es auf einmal hieĂź ich solle Weihnachtsartikel verkaufen. Im Sommer. Antizyklisches Einkaufen will nur erklärt werden und warum soll man nicht schon ein paar Kerzen und eine kleine Bratpfanne als Geschenk fĂĽr Tante Erna kaufen ? Sparen heiĂźt auch, zum richtigen Zeitpunkt das zu kaufen, was man sonst auch kauft – nur später, wenn es nicht im Angebot ist. Vielleicht verkaufe ich ja zu Weihnachten Sonnenbrillen und Badesachen ? Wer weiĂź das schon, die Welt ist manchmal verrĂĽckt, aber wir sind mittendrin.

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